Corona-Börsencrash: Börsenmillionärin Beate Sander: Was Anleger jetzt tun können

Guten Tag, Frau Sander,

vielen Dank, dass Sie auch in diesen schwierigen Zeiten Ihre Erfahrung mit uns teilen.

Wie geht es Ihnen in diesen turbulenten Zeiten?

B.S.: Ich leide sehr darunter, dass all meine großen Vorträge, Uni-Vorlesungen, Börsenseminare, Verfilmungen abgesagt werden, obwohl ich selbst kein Angsthase bin und alle Vereinbarungen so gern einhalten will. So bleibt mir nichts anderes übrig, als solidarisch zu handeln und auf alle Ausfallentschädigungen bzw. -ansprüche zu verzichten. Nur die Fahrtkosten sind zu ersetzen. Die Arbeit geht mir dennoch nicht aus. Ich schreibe Bücher, Kolumnen, Statements, Wochenberichte wegen ausfallender Börsenseminare usw. Auch Interviewbitten gehen täglich bei mir ein und Fragen besorgter, ängstlicher Anleger und Leser.

Worin sehen Sie die Ursache des aktuellen Börsencrashs?

B.S.: Bislang bewahrte uns jahrelang die Null-Zins-Politik vor einem Börsencrash, weil es keine Alternative zu Aktien gab. Die Corona-Virus-Pandemie führte trotz gut gemeinter Absicht zu diesem besonders heftigen und brutalen Börsencrash, weil die mit Abschottung und vielen Aussperrungen und Verboten verbundenen Beeinträchtigungen der persönlichen Freiheit und Katastrophenausrufe Angst, Furcht und Panikverhalten befeuern. Bei dem insgesamt glimpflichen Krankheitsverlauf erscheinen die Schul- und Uni-Schließungen übertrieben. Das alles begünstigt den Panik-Abverkauf, die komplette Räumung der Depots. Die unvermeidbare weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu dämmen, erscheint wegen der sonst mangelhaften Behandlung schwerer Krankheitsverläufe zwar vernünftig und verantwortungsvoll, steht aber wohl in einem höchst ungesunden Verhältnis zu den persönlichen, familiären, beruflichen und dramatischen wirtschaftlichen Folgen. Ich will all meine TV-Auftritte, Vorträge, Uni-Vorlesungen, Filme, Börsenkurse usw. beherzt und mutig halten, darf es aber nicht. Striktes Verbot von oben.

Investieren Sie derzeit nach Ihrer „Hoch-Tief-Mut-Strategie“?

B.S.: Das wird jetzt immer schwieriger, weil auch beste Aktien vom Kursabsturz betroffen sind. Solange ich die stabilen Aktien von Isra Vision, RIB Software und Qiagen noch mit hohem Kursgewinn verkaufen und davon abgestrafte Qualitätsaktien, darunter Dividendenaristokraten, preisgünstig erwerben konnte, klappte dies wunderbar. Aber nun ist es mühsam, weitere stabile Aktien für Teilverkäufe zu finden, um damit niedrig bewertete Favoriten ins Depot zu legen. Hier und da funktioniert es aber noch. Mitunter ist auch ein Steuerausgleich mit Verlustbringern hilfreich, wenn die Veräußerungsgewinne überwiegen, was bei mir immer zutrifft.

Welche Unternehmen/Aktien finden Sie derzeit besonders interessant?

B.S.: Chancenreiche Aktien gibt es im Gesundheitswesen, wenn die Pharma-, Medtech- und Biotech-Unternehmen neue Wirk- und Impfstoffe anbieten, stark sind bei Diagnostik und Therapie, Desinfektions-, Hygienepräparate. Schutzmasken und Schutzkleidung anbieten. Luxusgüter und Tourismusbranche sind übertrieben abgestraft.

Ein Blick auch auf die Dividendenrendite, sofern nicht die Ausschüttung gekürzt oder gestrichen wird: Stürzt eine Aktie mit einer Div.-Rendite von 5 % um die Hälfte ab, steigt umgekehrt die prozentuale Div.-Rendite auch um 50 %, nämlich von 5 % auf 7,5 %. Das nutze ich jetzt gern bei Qualitätstiteln aus, zumal die Div.-Saison jetzt eingeläutet wird.

Welche sind Ihre (drei) Topaktien, die Sie derzeit auch kaufen/nachkaufen (bzw. kaufen/nachkaufen werden)?

B.S.: Zu einigen meiner Favoriten, wo ich schrittweise zukaufe, zählen Allianz, Bechtle, Nemetschek, AstraZeneca, Jenoptik, Atoss Software, Mensch & Maschine, LPKF Laser, Microsoft, Intuitive Surgical, Freenet, Medtronic, Stryker, VISA, Börsenneuling Teamviewer und DAX-Aufsteiger MTU Aero.

Investieren Sie auch in Assets abseits von Aktien, Aktienfonds und ETFs? Falls ja, würden Sie mit uns teilen, welche Assets das sind?

B.S.: Ich konzentriere mich allein auf Aktien, Aktienfonds und ETFs – und dies alles ohne Absicherungsstrategien, Hebel, Long & Short usw. Damit bin ich bislang gut gefahren. Meine erste Million verteidige ich locker.

Wie schätzen Sie die Entwicklung an den Börsen in den nächsten 3, 6 und 12 Monaten ein?

B.S.: Nachdem auch ich keine Glaskugel besitze, kann ich diese Frage nicht seriös beantworten. Ich bin aber überzeugt, wenn dieses Crash-Schreckensszenario überwunden ist, dass wir dann auch wieder neue Höchststände über 14.000 Punkte erleben werden. Vermutlich geschieht dies aber erst ab 2021/2022. Geduld ist also angesagt.

Welchen Rat können Sie Anlegern jetzt geben?

B.S.: Wer über wenig Börsenwissen verfügt, hält am besten die Füße still und macht gar nichts. Wer umgekehrt jetzt einsteigen will, beginnt anfangs mit ETFs. Auch hier sind die Kurse jetzt extrem niedrig. Wer über genug Rücklagen verfügt, macht Einmalanlagen statt Sparpläne, um Tiefstkurse zu nutzen.

Wer börsenkundig ist und bereits über ein Aktiendepot verfügt, sollte meine erfolgreiche Hoch-Tief-Mut-Strategie anwenden und vor allem gute Börsenbücher lesen. Vom Buch zum Internet – vom Internet zum eigenständigen Onlinehandel. Grundprinzip: nicht sein Pulver auf einmal verschießen – schrittweise einsteigen und zukaufen, sofern es um Einzelaktien geht.


Vielen Dank Frau Sander für Ihre Zeit!

Beate Sanders aktuelle Bücher:

Die Klassiker:

Der Aktien- und Börsenführerschein: Aktien statt Sparbuch – die Lizenz zum Geldanlegen (Jubiläumsausgabe)*

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