Daniel Koinegg von bargain-investments.com im Interview

Value Investor Mag. Daniel Koinegg von www.bargain-investments.com im Interview.

(Die Antworten sind kursiv)

Hallo Daniel, für alle, die dich noch nicht kennen, stelle dich bitte kurz vor. Wer bist du und was machst du?

Hallo Alois. Ich freue mich, dass wir uns auf diesem Wege austauschen können. Mein Name ist Daniel Koinegg, ich bin 29 Jahre alt und wohne in Graz. Ich bin allerdings gebürtiger Weststeirer (Deutschlandsberg) und deshalb auch regelmäßig dort anzutreffen. Mein Ausbildungshintergrund ist ein absolviertes Jus-Studium, berufliche Erfahrungen habe ich in der öffentlichen Verwaltung und als Berufsanwärter in der Steuerberatung gesammelt. Derzeit bin ich Vollzeitinvestor.

Warum und seit wann bloggst du?

Der Wunsch, über das Value Investing und damit verwandte Themen zu schreiben, ist Anfang 2014 entstanden und hat vor allem damit zu tun, dass man mit einer größeren Community gemeinsam über seine eigenen Ideen reflektieren kann. Das ist eine äußerst wertvolle Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte, weil es mich extrem weitergebracht hat.

Seit Jänner 2015 bloggt ihr zu zweit. Welche Themen behandelt dein Kompagnon?

Christoph ist von seinem Ausbildungshintergrund her Verfahrenstechniker. Von daher fokussiert er sich vor allem auf Unternehmen, wo er dieses Wissen auch für ein besseres Verständnis des Geschäftsmodelles einsetzen kann. Er hat unter anderem für das Bargain Magazine ausgezeichnete Artikel über Vale und den Produktionsablauf von Mayr-Melnhof verfasst. Kurz gesagt kann ich ihn bei allen technischen Themen konsultieren, für die ich zu blöd bin (und das sind ziemlich viele).

Was möchtest du mit dem Investieren in Aktien erreichen? Was ist dein Ziel?

Das erste Ziel ist, Spaß zu haben. Das zweite Ziel ist, so viel wie möglich dazuzulernen, was man vielleicht auch in anderen Lebensbereichen brauchen könnte. Gelassenheit und Disziplin sind zum Beispiel solche Dinge. Das dritte Ziel ist, neue interessante Menschen kennenzulernen. Das vierte Ziel ist beständiger Kapitalzuwachs, der ein gewisses Mindestmaß an finanzieller Unabhängigkeit gewährleistet.

Du bist Value Investor. – Wendest du ein erfolgsorientiertes Bewertungsverfahren (Discounted Free Cash Flow, Equity-Ansatz usw.) oder ein marktorientiertes Bewertungsverfahren [KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis)] an?

In erster Linie bin ich substanzwertorientiert unterwegs und schaue sehr stark auf die Bilanz und die dort vorzufindenden Vermögenswerte. Das ist etwas Greifbares und oftmals weniger stark von zukünftiger Unsicherheit abhängig. Rein nach dem KGV oder dem KCV zu investieren, halte ich für zu kurz gedacht. Fundierte DCF-Verfahren finde als außenstehender Privatinvestor für kaum praktikabel. Ohne umfassende Plandaten und detailliertes Branchenverständnis ist es hier schwer vorstellbar, erstens präzise Zahlungsströme für einige Jahre in die Zukunft zu schätzen und dann noch einen einigermaßen brauchbaren Kapitalisierungszins zu ermitteln. Zweiterer wird derzeit wahrscheinlich ohnehin zu tief angesetzt. Was für mich als Laien obendrein schwer nachvollziehbar erscheint, ist die Anwendung des Capital-Asset-Pricing-Models. Es ist einfach nicht mit meiner Denkweise als Value Investor vereinbar, dass man Kursschwankungen aus der Vergangenheit als Parameter für die Ermittlung des Werts eines Unternehmens heranzieht, wie es faktisch über den Beta-Faktor im CAPM geschieht.

Erzähle uns mehr über deine Strategie. – Worauf achtest du bei Investments in Unternehmen besonders?

Ich verwende in der Praxis mehrere Ansätze. Erstens spielen Qualitätsunternehmen für mich eine Rolle, wo ich der Meinung bin, dass sie über deutliche Wachstumschancen in der Zukunft, ein aktionärsfreundliches Management, eine solide Finanzierung und den einen oder anderen Wettbewerbsvorteil verfügen – klassische „Late-Buffett“-Unternehmen also… Daneben beschäftige ich mich sehr gerne mit Cigar Butts, also Unternehmen, die in Relation zu ihren Vermögensgegenständen zu einem sehr günstigen Preis gehandelt werden. Hier favorisiere ich Gesellschaften, wo man ein profitables operatives Geschäft zum Nulltarif bekommt. Das wären dann in der zuvor gewählten Diktion die „Early-Buffetts“. Und Schande über mich, es soll auch schon vorgekommen sein, dass ich als Trittbrettfahrer einem bekannteren Investor nachgekauft habe, wenn gewisse zusätzliche Kriterien, wie beispielsweise eine solide Finanzierung, erfüllt waren und man obendrein die Aktien um denselben oder einen günstigeren Preis kaufen konnte, als dieser bekannte Investor bezahlt hat. Das allerwichtigste Kriterium quer durch alle Strategien ist bei mir persönlich aber eine lupenreine Bilanz. Es verschafft einfach so viel mehr Flexibilität und minimiert das Risiko eines dauerhaften Kapitalverlustes, wenn der Betrieb keine Schulden hat.

Investierst du eher in Small, Middle, Large Caps oder spielt die Unternehmensgröße bei der Strategie keine Rolle?

Die meiste Zeit meines Researchs geht für Small Caps drauf. Hier sind einfach die größten Schnäppchen versteckt, auch in Zeiten einer Hausse, wie wir sie jetzt haben. In Zeiten großer Unsicherheiten und Rücksetzer schaue ich mir aber auch gern Large Caps an. Man ist ja schließlich Opportunist.

Wie viel Zeit investierst du in die Analyse eines Unternehmens?

Das hängt sehr stark von der Strategie ab, aufgrund derer ich auf dieses Unternehmen gestoßen bin. Wenn ich mir ein Qualitätsunternehmen ansehe, geht am meisten Zeit drauf – das kann schon einige Wochen dauern, wo jeden Tag die eine oder andere Stunde reinfließt. Vor meinem Do&Co-Investment habe ich beispielsweise sogar das Hotel und den Henry-Flagshipstore in Wien getestet. Bei Cigar Butts oder Trittbrettfahrerinvestments kann eine kleine Position aber auch mal relativ schnell eingegangen werden.

Betreibst du ein Riskmanagement? – Wenn ja, welches?

Abgesehen von einer gewissen Streuung und dem Versuch, ordentliche Recherchen zu machen, betreibe ich kein aktives Riskmanagement. Das Einzige, was aber eher zufällig passiert, ist, dass man Unternehmer im Portfolio hat, deren Werttreiber teilweise gegenläufig ausgerichtet sind.

Seit einiger Zeit gibt es auf eurer Webseite auch eine eigene Bargain Academy. Was hat es damit auf sich?

Hier sollen sich Schritt für Schritt Leute einlesen können, die mit Aktien und Value Investing noch keine Erfahrungen haben. Diese Sektion haben wir in der jüngeren Vergangenheit zu unserem eigenen Bedauern allerdings etwas stiefmütterlich behandelt.

Im Dezember 2014 ging dein Musterportfolio online.

Ja 🙂

Welches Ziel verfolgst du damit?

Es ist – wie der Blog überhaupt – ein Tool, um über eigene Investmententscheidungen nachzudenken.

Wie hat es sich bis jetzt entwickelt?

Per Anfang Juli 2015 war das Musterportfolio knapp 11,5 % im Plus. Dieser Wert ist nach Abzug von Steuern und Gebühren zu verstehen. Insbesondere bei bereits veräußerten Positionen wie Nintendo, AT&S, MeVis, Turkcell sowie bei den Dividendenausschüttungen sind ja teils üppige Steuerverpflichtungen entstanden. Ich vergleiche diese Performance mit dem Eurostoxx50 und dem S&P500, jeweils auf Total-Return-Basis. Gegenüber dem Eurostoxx habe ich die Nase derzeit vorne, gegenüber dem S&P nicht, allerdings müsste man – um eine wirkliche Vergleichbarkeit herstellen zu können, die Steuern und Gebühren, die ich bezahlt habe, wieder zurückrechnen und außerdem berücksichtigen, dass das Musterdepot nicht voll investiert ist, was in Aufschwungphasen ein Nachteil ist. Bereinigt um diese Sondereffekte dürfte ich dann momentan gleichauf mit dem S&P und etwas weiter vor dem Eurostoxx liegen.

Gibt es Anmerkungen, die du zu deinem Portfolio hier noch machen möchtest?

Keine besonderen, außer dass man es nicht kopieren sollte, sondern seine eigenen Entscheidungen und sein eigenes Research betreiben muss. 🙂

Wie wirst du die Zukunft von www.bargain-investments.com und deine eigene gestalten?

Ich glaube, das kann man insofern auf den Punkt bringen, als ich hoffe und versuchen werde, dass Bargain Investments in meiner eigenen Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Alles Weitere wird sich weisen.

 

Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Alois Alexander Greiner von www.aktienkaufen24.com.

One Comment

  1. Stefan Gaudernak 14. Juli 2015 Antworten

    ………immer irre spannend,wenn man als 61 jähriger von jungen Leuten eine neue Welt vorgestellt bekommt.
    ….arbeite mich weiter durch Bargain durch…….
    Grüße aus Wien

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