Die Value Investor Ausbildung

Guy Spier: Die Value-Investor-Ausbildung – eine Buchrezension

 

„Die Value-Investor-Ausbildung“ setzt dort an, wo Bewertungsmodelle und Bilanzanalyse aufhören – im Geist des Anlegers.

Die „Value-Investor-Ausbildung“ ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Anwendung von harten Faktoren wie Bilanzanalyse, Bewertung von Unternehmen und dergleichen. Wer dies erwartet, wird enttäuscht sein.

Guy Spier vertritt die Auffassung, dass man diese Themen in Ausbildungen, Seminaren oder aus Büchern lernen kann.
Aufgrund dieser Meinung legt Guy Spier in „Die Value-Investor-Ausbildung“ den Fokus auf das nötige Mindset, welches ein erfolgreicher Value Investor benötigt.

Das Mindset und die Modellierung von Vorbildern

Guy spricht über das „Modellieren“, eine Methode aus der Psychologie (die Guy vom Erfolgscoach Anthony „Tony“ Robbins übernommen hat), in der es darum geht, das hilfreiche Verhalten einer Person (Vorbild) für sich zu übernehmen.
So modellierte und modelliert Guy die Eigenschaften, Denk-, Handlungs- und Verhaltensweisen von Investoren wie Warren Buffett, Charlie Munger, Mohnish Pabrai und anderen.

Guy geht dabei unter anderem so vor, indem er sich die Frage stellt: „What would Buffett do, if he is in my shoes?“ (Was würde Buffett tun, wenn er an meiner Stelle wäre?).

Guy versetzt sich in die Situation Buffetts und sieht die Welt durch dessen Augen. (Vorab studierte Guy sein großes Vorbild Warren Buffett detailliert, indem er Buffett-Biografien las, Interviews mit ihm verfolgte, die Jahresberichte von seiner Holding Berkshire Hathaway studierte und dergleichen). Wenn Guy eine Antwort gefunden hat, setzt er diese um.

Natürlich ist die Beantwortung der Frage „Was würde Buffett tun, wenn er an meiner Stelle wäre“ nie zu 100 Prozent möglich, aber das Stellen dieser Frage und der Versuch einer Beantwortung erhöhen die Wahrscheinlichkeit des eigenen Erfolgs. Das beste Beispiel ist Guy Spier selbst. Sein Hedgefonds, der Aquamarine Fund, erwirtschaftete seit der Auflegung im Jahr 1997 bis zum Jahr 2014 (Erstauflage von „Die Value-Investor-Ausbildung“) einen Gesamtertrag von 463 Prozent.
Für mich zählt die Frage „Was würde Buffett tun, wenn er an meiner Stelle wäre“ zu den wichtigsten Tools in Guy Spiers Buch „Die Value-Investor-Ausbildung“.

Das Modelling ist spannend, probieren Sie es aus – es muss nicht zwingend Buffett sein. Diese Methode ist auf jede beliebige Person übertragbar. Die Ergebnisse werden Sie überraschen.

Lunch mit Warren Buffett

Im Zentrum des Buches „Die Value-Investor-Ausbildung“ steht der Lunch mit Superinvestor Buffett.
Guy beteiligte sich finanziell wie emotional an der Idee des Value Investors Mohnish Pabrai, bei der alljährlichen Ebay-Auktion (bei welcher der Auktionsgewinner ein Mittagseesen (Lunch) mit Warren Buffett ersteigert) mitzubieten. Beim ersten Versuch, die Auktion zu gewinnen, wurden Guy und Mohnish überboten. Beim zweiten Versuch im darauffolgenden Jahr erhielten Guy und Mohnish für etwas mehr als 650.000 US-Dollar den Zuschlag.

Am Lunch nahmen unter anderem auch die beiden Töchter Mohnishs teil. Der laut Buffett wichtigste Ratschlag richtete sich an eben jene beiden Töchter: „Die richtige Person zu heiraten, ist die wichtigste Entscheidung in eurem Leben.“

Was Guy Spier an Buffett am beeindruckendsten fand, war, dass dieser vollkommen kongruent mit sich selbst, seiner eigenen Natur war. Buffett lebt so, wie es seiner Persönlichkeit entspricht, so Guy.

Authentisch zu bleiben, erklärte auch Guy zu seinem Ziel.

Die Checkliste

Ein weiterer wichtiger Punkt in Guy Spiers Buch ist das Erstellen einer Checkliste, die die eigenen Schwächen darlegen und kompensieren soll.

Ein Beispiel:
Guy würde auf seine Checkliste niemals die Frage: „Ist dieses Unternehmen günstig?“ stellen. Auch ein Pilot würde auf seiner Checkliste die Frage: „Fliegt dieses Flugzeug schnell?“ nicht vermerken.
Laut Guy gleicht seine Checkliste dem Sinn nach der Checkliste eines Piloten. Die Checkliste hat auch dasselbe Ziel wie die eines Piloten, nämlich Abstürze zu verhindern. In die Investmentwelt übersetzt heißt das, sie soll dazu beitragen, große Verluste und Fehlinvestments zu vermeiden.

Value Investing Case Studies – Fallstudien

Discover Financial Services (DFS)
Als Guy Discover Financial Services (ein Kreditkartenunternehmen) analysierte, bemerkte er, wie schwierig dies war. DFS war ein hoch profitables Unternehmen, aber das Geschäft war äußerst kompliziert.

Guy sagte sich: „All diese anderen Investoren denken, die Aktie ist teuer, aber in Wirklichkeit sind diese Investoren nicht schlau genug, um das Unternehmen richtig zu analysieren.“
Er machte sich keine Sorgen darüber, die DFS-Aktie zu einem zu hohen Preis zu erwerben, denn er war sich sicher, DFS, aber vor allen die Details ihres Geschäfts zu verstehen.

Guys Selbstvertrauen und sein Enthusiasmus ließen ihn sich schlau fühlen.

Die Aktien fielen während der Finanzkrise auf ca. 5 US-Dollar und als sie sich nach einigen Jahren erholten, verkaufte er die Aktien bei ca. 24 US-Dollar – etwas unter dem ursprünglichen Kaufkurs.

Die Umstände, die zu Guys Fehlinvestment geführt hatten, ließen ihn einige Fragen zu seiner Checkliste hinzufügen:

  • Ist dieses Unternehmen, ist diese Aktie, wirklich günstig? Oder ist das Unternehmen/die Aktie nur günstig in Erwartung einer besonders rosigen Zukunft?
  • Investiere ich in dieses Unternehmen/kaufe ich diese Aktie, weil ich mich klug dabei fühle?

Hier finden Sie weitere Case Studies zum Value Investing aus Guy Spiers Buch Die Value-Investor-Ausbildung.

Sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist

Guy entwickelte sich, wie er feststellte, durch die Beobachtung von Buffett und Mohnish zu einem besseren Investor, besseren Geschäftsmann und er hoffte auch zu einem besseren Menschen.
Die Entwicklung zu einem besseren Menschen begann, als Guy erstmals die Buffett-Biografie von Roger Lowenstein „Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten“ las.

Guy stellte fest, dass der beste Weg zu lernen, besser zu werden, jener ist, sich mit besseren Menschen zu umgeben.
Dies bekräftigte auch Buffett beim gemeinsamen Lunch.
Guy umgab sich in der Folge mit Menschen, zu denen er aufschauen und von denen er lernen konnte.

Zum Schluss

„Die Value-Investor-Ausbildung ist ein äußerst hilfreiches, spannendes und lesenswertes Buch. Der aktuelle Titel des Buches lautet „Die Lehr- und Wanderjahre eines Value-Investors: Mein ganz persönlicher Weg zu Reichtum und Weisheit“.

 

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